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veröffentlicht am 07.12.2021

Erste Hilfe im Sport

Verletzungen im Sportalltag

Erste Hilfe im Sport
Wie gehe ich mit Verletzungen im Training oder Wettkampf um, was können wir selbst tun, wann muss ein Notruf abgesetzt werden? Viele Trainer und Übungsleiter hatten sich ein praxisbezogenes Seminar für ihren Sportalltag gewünscht. Am letzten Wochenende war es endlich soweit: Zwei Praktiker aus der Notfallmedizin und Unfallchirurgie referierten über den Umgang mit den gängigsten Verletzungen im Sportalltag.

Dr. Tobias Schröder, leitender Oberarzt der Klinik für interdisziplinäre Notfallmedizin am Sana Klinikum Offenbach, leitender Notarzt für die Städte Frankfurt und Offenbach a.M., stieg gleich mit dem "Worst Case" in das Seminar ein: Herzkreislaufstillstand. "Der plötzliche Herztod kann jeden treffen - aktuell überleben nur ca. 10% einen Herzkreislaufstillstand, weil nicht rechtzeitig Erste Hilfe geleistet wurde" betonte Dr. Schröder. Er warb dafür durch regelmäßige Schulung der Ersten Hilfe in möglichst vielen unterschiedlichen Settings (Arbeitsplatz, Freizeiteinrichtungen usw.), Hemmungen abzubauen und Sicherheit zu erhalten, damit bis zum Eintreffen des Rettungswagens nicht wertvolle Minuten ohne Hilfe verstreichen. Diese Maßnahmen sollte aus seiner Sicht sinnvollerweise bereits ab dem Schulalter beginnen. "Viele Dinge, die am Anfang nicht passieren, kann man am Ende nicht mehr aufholen", denn mit jeder Minute die ohne Hilfe verstreiche, sinke die Überlebenschance um 10%.

Die Seminarteilnehmer/innen wiederholten die einzelnen Schritte, die eigentlich jeder kennt - Ansprechen, Notruf absetzen (lassen), Atmung überprüfen, stabile Seitenlage und bei Atemstillstand/Bewusstlosigkeit der sofortiger Start der Herzdruckmassage. Auch lernten sie, dass man eigentlich nichts falsch machen kann, es sei denn, man leistet keine Erste Hilfe! Da die meisten Herzkreislaufstillstände durch Herzvorerkrankungen wie z.B. Kammerflimmern entstehen, empfiehlt sich - sofern vorhanden - der Einsatz eines AED (Automatisierter externer Defibrillator). Dieser ist bereits in vielen öffentlichen Gebäuden und Plätzen vorhanden und erkennbar an einem entsprechenden Hinweisschild. Einmal gestartet, sagt der AED alle folgenden Schritte an, analysiert den Herzrhythmus und empfiehlt ggf. die Auslösung eines Schocks.

Der zweite Teil der Fortbildung wurde von Dr. Harald Hake, ehem. langjähriger Chefarzt mit den Schwerpunkten Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Klinikum Frankfurt-Höchst und Mannschaftsarzt in mehreren Sportarten übernommen. Er betonte die Bedeutung der PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) für alle nicht blutenden und nicht lebensbedrohlichen Sportverletzungen. Nach diesem Schema kann jeder sofort helfen und auch in einem solchen Fall kann man nichts falsch machen. Dr. Hake analysierte die Symptome und Behandlung der gängigsten Sportverletzungen wie z. B. Brüche, Luxationen, Prellungen, Kratz- und Schürfwunden, Verstauchungen und Bänderrisse, Muskelfaserrisse, Verletzungen der Achillessehne, Knie-, Rückenverletzungen, Kopfverletzungen mit Nasenbluten und Gehirnerschütterung und unterteilte sie nach sofort notwendiger Behandlung im Krankenhaus, Erstversorgung in der Sportstätte und Aufsuchen eines Arztes in den Folgetagen oder Behandlung nach der PECH-Regel.

Dr. Hake empfahl darüber hinaus die individuelle Zusammenstellung eines Notfallkoffers - abhängig von der betriebenen Sportart. Unbedingt notwendig sei die Benennung eines Verantwortlichen, der den Inhalt regelmäßig kontrolliere und wieder auffülle.

Das riesige Interesse an diesem Seminar war für den Sportkreis ziemlich überraschend - die entsprechend der Corona-Regeln verminderten Seminarplätze waren innerhalb von 24 Stunden ausgebucht! Claudia Michels, Vorstand für Gesundheit und Bewegung sucht bereits nach einem Wiederholungstermin Anfang 2022.

Foto + Text: Kathrin Zimmermann
 
 
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