« zurück zur Übersicht

veröffentlicht am 03.11.2017

2. Regionaltreffen

im Landesprogramm "Sport und Flüchtlinge"

2. Regionaltreffen

2. Regionaltreffen zum Landesprogramm Sport und Flüchtlinge am 24. Oktober 2017 im Barbarahaus in Hattersheim

Der Vorsitzende des Sportkreises Main-Taunus e.V., Hans Böhl, begrüßte zu Beginn des 2. Regionaltreffens des Landesprogramms „Sport und Flüchtlinge“ die Teilnehmer aus 8 Kommunen des Main-Taunus-Kreises, VertreterInnen des Landratsamtes, des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport und der Sportjugend Hessen und würdigte das besondere Engagement der Sport Coaches. Madlen Overdick, Gesundheitsdezernentin des Main-Taunus-Kreises machte in ihrem Grußwort deutlich, dass sie die Sportangebote im Main-Taunus-Kreis als sehr positiv wahrnehme und sportliche Aktivitäten allgemein zur Gesunderhaltung sowie der Förderung der sozialen Kontakte aller dienen. Ingrid Hasse, Dezernentin für Familien, Frauen, Gleichberechtigung und Integration betonte, dass sie die Kommunen bei der Anmeldung oder Verlängerung des Landesprogramms unterstützt und begleitet habe und auch weiterhin dafür bei den noch nicht teilnehmenden Kommunen des Main-Taunus-Kreises werben würde.

Die Sport Coaches sind die wesentlichen Akteure bei der Umsetzung des Landesprogramms

Die Sport Coaches sind das Bindeglied zwischen Kommunen, Vereinen, Asylunterkünften und Flüchtlingsinitiativen sowie den Flüchtlingen. Volker Rehm, Koordinator des Landesprogramms bei der Sportjugend Hessen, schaut in seiner Präsentation auf die vergangenen 2 Jahre seit Einführung des Landesprogramms zurück. In fast allen Sportarten ließen sich mittlerweile Beispiele für die Integration von Flüchtlingen finden. Sowohl in den großen Ballsportarten, wie Fußball, Handball, Volleyball oder Basketball, als auch im Turnen in der Leichtathletik oder in verschiedenen Kampfsportarten gäbe es erfolgreiche Projekte von Sport-Coaches. Aber auch Gesundheitsangebote wie Fitnessprojekte oder Rückenschule würden unterbreitet und angenommen. Eine große Nachfrage gäbe es zudem bei Schwimm- und Fahrradkursen. Mittlerweile seien in 244 Gemeinden über 320 Sport-Coaches aktiv. Im Jahr 2017 wurden rund 1,7 Millionen Euro für das Landesprogramm bewilligt. Für den Doppelhaushalt 2018/19 seien erneut jährlich 2,4 Millionen Euro eingeplant.

Flüchtlinge mit der aktiven Planung ihrer Freizeit häufig überfordert

Torsten Schaaf, Leiter der Stationären Jugendhilfe Villa Anna in Eppstein, berichtet von seinen Erfahrungen mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen und der Teilnahme an Sportangeboten. Der häufigen Klage, dass viele Flüchtlinge nur sehr unregelmäßig und unzuverlässig an den gewählten Sportangeboten teilnähmen, entgegnet er, dass die als unsicher empfundene Lebenssituation und die physischen und psychischen Folgen der Flucht dazu führen könnten, dass die Flüchtlinge mit der aktiven Planung ihrer Freizeit häufig überfordert seien. Wegen der vielen positiven Aspekte der Vereinsangebote wie vielfältige Kontakte und leichteren Spracherwerb motiviere er die Flüchtlinge aber immer wieder. Torsten Schaaf wünsche sich, dass den Flüchtlingen ebenso viel Geduld entgegengebracht wird, wie Geduld von ihnen in Bezug auf Schule, Asylverfahren usw. gefordert wird.

Berichte aus den Kommunen – Good Practise

Birgit Rittershofer, Flüchtlingskoordinatorin des Sportkreises Wiesbaden und Projektleiterin der Übungsleiter-Ausbildung für Frauen mit Migrationshintergrund berichtet vom in diese Ausbildung integrierten sportorientierten Sprachkurs und betont, wie sehr die Teilnahme an Sportangeboten den Spracherwerb unterstützen würde. Ihre Erfahrungen aus der Übungsleiter-Ausbildung fließen derzeit in das Buchprojekt „Spracherwerb durch Sport“.

Auf Grund des großen Interesses am Fußball werden in mehreren Kommunen von den Sport Coaches freie Trainingsangebote organisiert. Am Training von Steffen Kappes, Sport Coach in Liederbach, nehmen regelmäßig 15 bis 20 Teilnehmern teil. Die Kommunikation laufe über eine Facebook-Gruppe und hier wie im Training wird ausschließlich Deutsch gesprochen, um den Spracherwerb zu fördern. Auch in Kelkheim gibt es mit dem „Samstagsfußball“ und den Hobbykickern des SV Fischbach ein ähnliches Angebot, berichten Petra Bliedtner Leiterin des Amtes für Jugend und Integration der Stadt Kelkheim und Beate Rohkohl-Hildenbrand, Sport Coach in Kelkheim. Die Hobbykicker haben bereits zweimal am Skyline Soccer-Intergrations-Cup teilgenommen und planen z.Z. die Teilnahme am Refugees-Soccer-Hallenturnier in Neu-Isenburg am 25.11.17. Die Sport Coaches haben zudem zwei Staffel-Mannschaften aufstellen können, die beim Frankfurt Marathon am 24.10.17 im Rahmen der Interkulturellen Marathonstaffel der Sportjugend Hessen starten werden.

Von Kooperationen im Fußball und im Basketball mit den in Schwalbach ansässigen Firmen Procter + Gamble und Samsung weiß der Schwalbacher Sport Coach Manuel Molina zu berichten. Der FC Schwalbach organisiere zudem eines der wenigen Cricket-Angebote in der Region. Auch Ilona Schiller, Sport Coach in Sulzbach, berichtet von der großen Nachfrage nach Fußballtraining, die nicht von den örtlichen Vereinen gedeckt werden konnte. Daher gab es auch hier zunächst eine Freizeitmannschaft, deren Trainer über das Landesprogramm finanziert wurde. Diese hat sich mittlerweile aufgelöst und einer Sulzbacher Fußball-Freizeitgruppe angeschlossen. Des Weiteren bietet das Landesprogramm die Möglichkeit viele unterschiedliche sportliche Ausflüge in die nähere Umgebung zu organisieren – vom Radausflug über Bowlen bis in den Kletterwald.

Hintergrund zum Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“

Antragsberechtigt sind Städte und Gemeinden, die mehr als 40 Flüchtlinge untergebracht haben. Kommunen, die weniger als 40 Flüchtlinge untergebracht haben, können in Form einer Interkommunalen Zusammenarbeit Anträge stellen. Je nach Anzahl der untergebrachten Flüchtlinge kann eine Förderung von 5.000 bis zu 25.000 Euro bewilligt werden. Städte und Gemeinden, in denen eine Erstaufnahmeeinrichtung, eine Außenstelle oder Notunterkunft besteht, können zusätzliche Mittel bis zu 15.000 Euro beantragen. Das Geld kann eingesetzt werden für die Aufwandsentschädigungen der Sport-Coaches, Übungsleiter, Schulungsmaßnahmen oder Sachmittel. Derzeit werden im Main-Taunus-Kreis die Kommunen Bad Soden, Eppstein, Flörsheim, Kelkheim, Liederbach, Hattersheim, Schwalbach und Sulzbach durch das Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“ gefördert.

Wer sich für die Arbeit der Sport-Coaches interessiert kann sich an Kathrin Zimmermann, Koordinatorin für Flüchtlingssport beim Sportkreis Main-Taunus e.V., wenden. Telefonnummer: 06192 / 22957 – E-Mail: info@sk-mtk.de

 
 
Facebook Account RSS News Feed