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veröffentlicht am 11.11.2019

"Die Zelle braucht ihre Zeit"

Sportmedizinischer Vortrag

"Die Zelle braucht ihre Zeit"
Claudia Michels, 2. Vorsitzende des Sportkreises und Referentin für Bewegung und Gesundheit konnte neben den Referenten Robert Gorzolla (Sportspezifische Gelenkverletzungen der unteren Extremität), Dr. Jürgen Scholz (Sportspezifische Muskelverletzungen der unteren Extremität) und Marvin Kühn (Return-to-Play), mehr als 50 Teilnehmer bei der Fortsetzung der Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit den Main-Taunus-Kliniken im Konferenzraum des Krankenhauses Bad Soden begrüßen.

Robert Gorzolla, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im MVZ des Krankenhauses Hofheim und im Oktober zum Leitenden Notarzt ernannt, referierte über die Verletzungsanfälligkeit der Gelenke in den unterschiedlichen Sportarten und zeigte den Teilnehmern anhand von vielen Fotos und Videos typische Unfallhergänge und Verletzungen des Kniegelenks - hier sind die Kreuzbänder, Menisken und das Außenband häufig betroffen - und des Sprunggelenks. Das ausreichend lange Einhalten der PECH-Regel (Pause - Eis - Compression - Hochlagern) wurde unbedingt empfohlen - Eis 50 bis 60 Minuten, Compression noch länger. Robert Gorzolla, der auch als Verbandsarzt des Deuschen Hockey-Bundes schnelle Entscheidungen am Spielfeldrand treffen muss, verweist auch auf die Nützlichkeit der Ottawa-Regeln für das Sprunggelenk bei der Überlegung, ob ein Sportler noch einsatzfähig ist.

Dr. Jürgen Scholz, niedergelassener Orthopäde im Zentrum für Orthopädie in Hofheim und seit 2012 Teamarzt der DFB Juniorennationalmannschaft U20, berichtet, dass Verletzungen im Spiel sechsmal häufiger vorkommen als im Training. Bei 90% aller Muskelverletzungen handelt es sich um Prellungen und Zerrungen. Er betont: "Die Zelle braucht Zeit" - je nach Grad der Muskelverletzung ist mit einem Ausfall von ein bis vier Wochen bis zu mehreren Monaten zu rechnen. Auch er betont, wie wichtig das Einhalten der PECH-Regel sei. Die Immobilisationsphase wird oft zu locker gehandhabt - 4-6 Tage sollten mindestens eingehalten werden. Der Start der Mobilisationsphase setzt Schmerzfreiheit voraus. "Schmerz ist ein guter Berater", so Scholz, "er gibt vor, was Sie schon können und was vielleicht noch nicht." Er empfiehlt zur Prävention von Muskelverletzungen ein gezieltes Krafttraining, Stabilisation, Aufwärmen, eine gute Zeiteinteilung der Belastung und die passende Ernährung.

Marvin Kühn, Physiotherapeut und Sport-Physiotherapeut bei der Damen Volleyball-Mannschaft der TG Bad Soden und der U21 Hockey Nationalmannschaft betont, nachdem seine Vorredner erzählt haben, wie alles kaputt geht, ist sein Thema, aufzuzeigen, "wie alles wieder ganz zu machen ist". Im Training nach Verletzungen liegt der Focus auf Mobilität vor Stabilitat. Auch er berichtet aus der Praxis, dass im Sportverein am häufigsten Knie- und Sprunggelenke verletzt werden. Er verweist auf die VBG Testmanuels zur Beurteilung der Spielfähigkeit nach Sportverletzungen. Das Knie sei ein kompensierendes Gelenk, d.h. es reagiert auf Probleme in angrenzenden Gelenken. Zur Lokalisation möglicher Verursacher gibt es verschiedene Tests - wie z.B. den Functional Movement Screen (FMS), der Aufschluss über Dysbalancen im Seitenbereich gibt. Wichtig bei der Anwendung von Tests sei, dass diese einfach aufgebaut seien, so dass später ggf. auch eine andere Person Vergleichstests vornehmen kann.

Fotos + Text: Kathrin Zimmermann
 
 
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