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veröffentlicht am 27.04.2022

Sofortmaßnahmen bei Sportverletzungen

Fortbildung

Sofortmaßnahmen bei Sportverletzungen
Trainer*innen und Übungsleiter*innen stehen bei Verletzungen und Unfällen im Sport immer wieder vor der Frage, was sie tun können bzw. sollen. Dem Wunsch nach einem praxisbezogenen Seminar konnte der Sportkreis Main-Taunus bereits im letzten Jahr mit einem entsprechenden Angebot nachkommen. Da die Nachfrage groß und die Resonanz der Teilnehmer*innen sehr positiv war, gab es am 23. April 22 ein erneutes Angebot dieser Fortbildung.

Die Herren Dr. Harald Hake, ehem. langjähriger Chefarzt im Klinikum Frankfurt-Höchst mit den Schwerpunkten Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, und Dr. Tobias Schröder, leitender Oberarzt der Klinik für interdisziplinäre Notfallmedizin am Sana Klinikum Offenbach, Leitender Notarzt für die Städte Frankfurt und Offenbach, konnten auch dieses Mal das Seminar durchführen.

Im ersten Teil hat Dr. Hake den 21 Teilnehmer*innen typische Sportverletzungen vorgestellt und die möglichen Maßnahmen zur Erstversorgung erläutert. Dabei wies er auf die Bedeutung der PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) für alle nicht blutenden und nicht lebensbedrohenden Verletzungen hin. Hier geht es in erster Linie um Prellungen, Verstauchungen, Bänderverletzungen, Brüche, Nasenbluten und eine eventuelle Gehirnerschütterung. Dr. Hake empfiehlt - abhängig von der jeweiligen Sportart - einen Notfallkoffer individuell zusammen zu stellen, der allerdings regelmäßig von einer verantwortlichen Person kontrolliert und aufgefüllt werden muss.

Bei Dr. Schröder ging es dann um das richtige Verhalten bei bewusstlosen Personen. Verletzte, die selbständig atmen, sollten bis zum Eintreffen des RTW möglichst auf eine isolierende Unterlage und in die stabile Seitenlage gelegt werden. Zusätzlich sollte man die Person warm einpacken. Sollte die Atemkontrolle negativ ausfallen ist unbedingt sofort bis zum Eintreffen des Notarztes/der Sanitäter mit der Herzdruckmassage und der Beatmung zu beginnen. Wenn auf der Sportanlage ein AED (Automatisierter externer Defibrillator) vorhanden ist, so leistet dieser aufgrund seiner selbsterklärenden Anwendungshinweise wertvolle Unterstützung bei den lebenserhaltenden Maßnahmen.

Beiden Medizinern war es wichtig herauszustellen, dass der Notarzt gerufen bzw. ein Verletzter in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses gebracht werden muss, wenn es sich um lebensbedrohliche Verletzungen handelt oder der Sportler/die Sportlerin so schwer verletzt ist, dass nur ein Liegend-Transport möglich ist. Sie hoffen auf die Teilnehmer*innen als Multiplikatoren für eine regelmäßige Teilnahme an Erste-Hilfe-Kurse/Auffrischungen, da die Überlebenschancen für Schwerverletzte mit jeder Minute ohne Hilfe sinkt.
 
Fazit des Seminars: Sportvereine sollten verstärkt Erste-Hilfe-Kurse für Übungsleiter*innen, Trainer*innen und Betreuer*innen anbieten. Dabei könnten sich die Teilnehmer*innen mit dem AED vertraut machen, so dass der Einsatz in Notfällen schneller erfolgen kann. Bei entsprechender Teilnehmerzahl ist i.d.R. auch ein Kurs auf dem Vereinsgelände möglich. Die Kosten für die Erste-Hilfe-Kurse können übrigens direkt über die für Sportvereine zuständige Unfallversicherung (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VBG) abgerechnet werden.

Text: Ursula Groth
Foto: Kathrin Zimmermann
 
 
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